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SRI LANKA
 
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::  Hinduismus
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Die zweitgrößte Religionsgemeinschaft ist die der Hindus. Was ist das für eine Religion, die keinen Stifter kennt, keinen Propheten, keine Organisation, die auch nur entfernt an "Kirche" erinnert? Was ist das für eine Weltanschauung, die Platz bietet für 330 Millionen Götter, und auch noch Raum hat für Gläubige, die an gar keinen Gott glauben?

Es ist ein sehr großes, sehr kompliziertes und doach wiederum sehr einfaches Gedankengebäude. Wir nenen es Hinduismus, die Anhänger dieser Weltanschauung, die Mehrheit der Inder und die Mehrheit der Tamilen in Sri Lanka, die Hindus also, sprechen von Dharma.
Das ist die weige, die kosmische, die sittliche Ordnung, das Weltengesetz. Diesem Gesetz liegt eine Art Urprinzip von Schöpfung und Zerstörung zugrunde. Alle Lebewesen sind aus dem Brahman hervorgegangen, der großen Weltseele. Zu ihr gehört das Atman, die Einzelseele, das unsterbliche, wirkliche Selbst des Menschen. Beide zusmmen bringen den ewigen Kreislauf von Werden und Vergehen in Bewegung.

Moksha heißt die Befreiung aus allen Bindungen, aus dem Kreislauf immer neuer, immer anderer Wiedergeburten. Weil der Mensch nicht als Krone der Schöpfung angesehn wird, kann die Seele durch alle Formen des Lebens wandern. Das heißt: Die Wiedergeburten in einem Tierköroper, ja sogar in einer Pflane sind nicht auszuschließen. Kein Wunder also, daß Mensch und Kreatur im indischen Kulturraum - und dazu gehört Sri Lanke, vor allem der tamilische Teil - in einem anderen Verhältnis zueinander gesehen werden als bei uns. Kein wunder auch, daß Götter flügel haben oder Elefantenrüssel, Affenköpfe oder den Leib einer Ratte. Wohin die Seele wandert, in welche Hülle sie das nächste Mal schlüfpt, das bestimmt, ähnlich wie bei den Buddhisten, das Karma: die Summe aller Taten im Leben eines jeden einzelnen.

In Sri Lanka folgen die meisten Hindus dem Gott Shiva, dem Zerstörer; nur wenige Tempel, anders als auf dem Subkontinent, sind Vishnu, dem Welterhalter geweiht.

Brahma, in einigen Teilen Indiens als höchster Schöpfergott verehrt, wird von den Tamilen in Sri Lanka nicht angebetet. Wichtiger sind ihnen die Söhne des Shiva: Ganesha, der dicke Elefantengott, der auf einer Ratte reitet und den Menschen bei der Überwindung aller möglichen Hürden hilft, Skand, der Zweitgeborene, ein Kriegsgott, der auf einem Pfau unterwegs ist, dem Symbol der Liebe. Und Lakshmi, Vishnus Frau, gefällt Shivas Anhängern so gut wie Vishnus Jüngern. Sie steht für das Glück im allgemeinen, für Reichtum und Schönheit im besonderen.

Das Kastenwesen wird unter den Tamilen Sri Lankas nicht annähernd so rigide ausgelegt wie etwa im unmittelbar benachbarten Süindien. Immerhin beeinflussen manche Regeln dieser spezifisch indischen Gesellschaftsform sogar die buddhistischen Singhalesen. So stehen bei ihnen die Bauern an der Spitze der sozialen Rangordnung. Auch die Fischerkaste genießt hohe Wertschätzung; viele Fischer, Tamilen wie Singhalesen, sind allerdings Christen, eine Tradition, die in dieser Berufsgruppe auf die zeit der Portugiesen zurückgeht, die sich zunächst nur an den Küsten festgesetzt hatten. Das singhalesische Kastensystem läßt sich mit dem Zunftwesen im europäischen Mittelalter als mit der strengen Einteilung der Inder vergleichen; es ist vor allem berufsbezogen.

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